Bulgarien führt Euro ein – Meilenstein trotz Kontroversen

Bulgariens Euro-Beitritt: Der 21. Meilenstein der Eurozone am Neujahrstag 2026
Bulgarien ist am 1. Januar 2026 der Eurozone als 21. Mitglied beigetreten. Der bulgarische Lev (BGN) wurde durch den Euro ersetzt, der seit 1999 eng an den Lev gebunden war. Der festgelegte Wechselkurs beträgt 1 EUR = 1,95583 BGN. Mit einer Bevölkerung von rund 6,5 Millionen Menschen schließt sich Bulgarien nun den über 350 Millionen Euro-Nutzern an. Der Lev bleibt im Januar 2026 für Barzahlungen gültiges Zahlungsmittel, Wechselgeld wird jedoch in Euro ausgegeben; eine vollständige Ausmünzung ist in Kürze erwartet.
Das Land, EU-Mitglied seit 2007, trat ERM II im Juli 2020 bei und erhielt die Genehmigung für den Euro-Beitritt Anfang 2025. Bulgarien erfüllt die Konvergenzkriterien: Inflation bei 2,8 Prozent, Staatsverschuldung von 24 Prozent des BIP (EU-Grenze 60 Prozent) und Haushaltsdefizit bei etwa 3 Prozent des BIP. Dennoch gibt es Kontroversen: Eine Eurobarometer-Umfrage zeigt, dass 49 Prozent der Bulgaren den Wechsel ablehnen.
„Ich heiße Bulgarien herzlich in der Euro-Familie willkommen... ein mächtiges Symbol geteilter Werte und kollektiver Stärke.“ - Christine Lagarde, EZB-Präsidentin (Euronews)
Trotz politischer Instabilität – die konservativ geführte Regierung trat Mitte Dezember 2025 wegen Anti-Korruptionsproteste zurück – markiert der Beitritt einen entscheidenden Schritt in der EU-Integration. Die Feierlichkeiten in Sofia fanden bei Temperaturen unter null statt, Automaten gaben Euros aus.
Der lange Weg Bulgariens zum Euro seit dem EU-Beitritt 2007
Bulgarien, eines der ärmsten EU-Mitglieder nach dem Fall des Kommunismus 1989, verfolgt seit dem EU-Beitritt am 1. Januar 2007 die Euro-Einführung, um die Integration zu vertiefen, Handel und Investitionen anzukurbeln und russischen Einfluss entgegenzuwirken. Der Lev war seit 1999 an den Euro gepinnt, was Stabilität sicherte, aber nationale Stolz symbolisierte.
Im Juli 2020 trat Bulgarien dem Wechselkursmechanismus II (ERM II) bei, Voraussetzung für den Euro-Beitritt. Anfang 2025 erteilte die EU die Zustimmung. Ähnlich wie Kroatien, das 2023 den Euro einführte, hat Bulgarien die Konvergenzkriterien erfüllt.
Wirtschaftliche Entwicklung:
- Inflation: Von 13 Prozent im Jahr 2022 auf 2,7 Prozent Anfang 2025 und aktuell 2,8 Prozent (DW).
- Wachstumsprognosen der EU: 3 Prozent (2025), 2,7 Prozent (2026), 2,1 Prozent (2027).
- Lebensmittelpreise: +5 Prozent YoY im November 2025.
„Der Euro ist nicht nur eine Währung, sondern eine strategische Entscheidung. Sie stärkt Bulgariens Position in Europa.“ - Rosen Scheljaskow, bulgarischer Ministerpräsident (DW, November 2025)
Politische Hürden prägten den Weg: Bulgarien steht vor der achten Wahl in fünf Jahren nach Regierungsabritt Mitte Dezember 2025 wegen Korruptionsprotesten. Präsident Rumen Radev nannte es den „finalen Schritt“ der EU-Integration, bedauerte aber das Fehlen eines Referendums.
Erfüllte Konvergenzkriterien: Bulgariens stabile Makroökonomie
Bulgarien hat alle Maastricht-Konvergenzkriterien erfüllt, was den Beitritt ermöglichte. Die Inflation liegt bei 2,8 Prozent, unter dem Referenzwert. Die Staatsverschuldung beträgt 24 Prozent des BIP, weit unter der 60-Prozent-Grenze. Das Haushaltsdefizit liegt bei rund 3 Prozent des BIP.
„Die bulgarische Wirtschaftslage war in den letzten Jahrzehnten stabil, auch wenn das Wirtschaftswachstum und die Aufholprozesse nicht optimal verlaufen sind.“ - Guntram Wolff, Bruegel (DW)
Dennoch gibt es Kritik an der Struktur:
- Strukturelle Reformen in Korruptionsbekämpfung und Justiz sind überfällig.
- Wirtschaftsleistung: Bulgarien hat noch Aufholbedarf in Produktivität und Struktur.
„Allerdings hat die bulgarische Wirtschaft in Bezug auf Struktur und Leistungsfähigkeit noch viel aufzuholen.“ - Norbert Beckmann, KAS Bulgarien (DW)
Der feste Wechselkurs 1 EUR = 1,95583 BGN erleichtert den Übergang. Unternehmen hatten Schwierigkeiten, Euro-Starter-Kits zu erhalten. Russische Desinformationskampagnen lehnten den Euro ab (AP).
Die Euro-Einführung stärkt die Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen Schocks, wie EZB-Chefin Lagarde betont.
„Stärkt Bulgariens wirtschaftliche Grundlagen, erhöht seine Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen Schocks und verleiht seiner Stimme in der Eurozone mehr Gewicht.“ - Christine Lagarde, EZB-Präsidentin (DW)
Kontroversen und Skepsis: Ablehnung in der Bevölkerung und Politik
Trotz Erfüllung der Kriterien gibt es erhebliche Kontroversen. 49 Prozent der Bulgaren lehnen den Euro-Wechsel ab (Eurobarometer). Kritiker fürchten Preissteigerungen, fehlende unabhängige Geldpolitik und mangelnde Reformen für gleichberechtigtes Mitspracherecht in der Eurozone.
„Befürworter eines Beitritts Bulgariens zur Eurozone betonen, dass das Land durch den Beitritt zum ‚Club der Reichen‘ profitieren und bedeutende Fortschritte erzielen werde... Doch es ist nicht nachvollziehbar, wie dies angesichts der notwendigen und verschobenen Reformen geschehen soll.“ - Rossitsa Rangelova, Professorin BAS (DW)
Politische Instabilität verstärkt Zweifel: Die Regierung trat Mitte Dezember 2025 zurück, achte Wahlen drohen. Präsident Rumen Radev bedauerte das Ausbleiben eines Referendums. Anti-Korruptionsproteste prägten die Wochen vor dem Beitritt.
Verbleibende sechs EU-Staaten ohne Euro (Schweden, Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Dänemark) dienen als Vergleich. Nachbarn wie Griechenland könnten von gesteigertem Handel profitieren.
Russische Desinformation spielte eine Rolle bei der Skepsis.
Internationale Reaktionen und erwartete wirtschaftliche Vorteile
Internationale Führungskräfte begrüßten den Beitritt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hob Vorteile hervor:
„Es wird Reisen und Leben im Ausland erleichtern, die Transparenz und Wettbewerbsfähigkeit der Märkte steigern und den Handel erleichtern.“ - Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin (Euronews)
Die Eurozone umfasst nun 20 Mitglieder mit über 350 Millionen Menschen. Für Bulgarien verspricht der Euro Transparenz, Investitionen und Handel mit Partnern wie Griechenland.
Wichtige Vorteile:
- 01.Erhöhte Resilienz gegen Schocks.
- 02.Stärkere Stimme in der Eurozone.
- 03.Einfachere Transaktionen, keine Wechselkursrisiken.
Feiern in Sofia bei Kälte: Automaten spuckten Euros aus. Unternehmen kämpften mit Vorbereitungen, Starter-Kits waren knapp.
„Es wird die Transparenz und Wettbewerbsfähigkeit der Märkte boosten.“ - Ursula von der Leyen (Euronews)
Ausblick: Euro stärkt Bulgarien trotz anhaltender Herausforderungen
Bulgariens Euro-Beitritt am 1. Januar 2026 markiert einen Meilenstein in der EU-Integration, trotz Kontroversen um Reformen und politische Instabilität. Mit erfüllten Kriterien – Inflation 2,8 Prozent, niedrige Verschuldung – positioniert sich das Land besser gegen globale Risiken.
Die Skepsis in der Bevölkerung (49 Prozent Ablehnung) und Kritik an strukturellen Schwächen persistieren. Experten wie Guntram Wolff betonen Stabilität, fordern aber Aufholjagd.
Der Euro könnte Handel ankurbeln, Investitionen anziehen und die Resilienz steigern, wie Lagarde und von der Leyen unterstreichen. Sechs EU-Staaten bleiben außerhalb; Bulgarien folgt Kroatien (2023).
Zusammenfassend stärkt der Beitritt Bulgariens wirtschaftliche Grundlagen, erfordert jedoch anhaltende Reformen für langfristigen Erfolg.
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