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Massive Razzien in Hongkongs Baubranche nach tödlichem Hochhausbrand

ICAC-Razzia: 21 Festnahmen wegen Korruption in der Bausanierung

Die Unabhängige Kommission gegen Korruption (ICAC) in Hong Kong hat am Freitag, dem 2. Januar 2026, 21 Personen festgenommen. Unter den Verdächtigen befinden sich 15 Männer und 6 Frauen im Alter zwischen 30 und 81 Jahren. Sie werden verdächtigt, bei der Vergabe von Sanierungsaufträgen in zwei Wohnanlagen im Bezirk Kwun Tong korrupte Praktiken betrieben zu haben. Zu den Festgenommenen zählen Mittelsmänner, Projektberater, Bauunternehmer sowie Mitglieder von Eigentümerausschüssen. Einige sollen zudem Verbindungen zu Triaden, kriminellen Syndikaten, unterhalten.

Die Razzien fanden in Kwun Tong statt, wobei Beweismittel wie Ausschreibungsunterlagen beschlagnahmt wurden. Die Fälle betreffen einerseits Bestechungszahlungen im Wert von einem 33-Millionen-HKD-Auftrag (ca. 3,6 Millionen Euro), andererseits das Sammeln von Stimmproxyen zur Manipulation von Eigentümerabstimmungen für künftige Verträge.

Obwohl die Festnahmen nicht direkt mit dem tödlichen Brand im Wang Fuk Court zusammenhängen, wurden sie durch die erhöhte Aufmerksamkeit nach dem Unglück vom 26. November 2025 ausgelöst. Bei diesem Feuer starben 161 Menschen, der schwerste Brand seit 1948. Er forderte die Baubranche heraus und deckte systemische Korruptionsprobleme auf.

„Bewohner warnten jahrelang vor mangelhafter Arbeit und brennbaren Materialien, vermuteten Korruption, doch Behörden bagatellisierten die Risiken.“ - Untersuchung der New York Times

Die Entwicklungen unterstreichen die Dringlichkeit umfassender Reformen in Hongkongs Bausektor, der seit Jahren von Kartellen, Ausschreibungsfälschungen und minderwertigen Materialien geplagt wird.

Das verheerende Feuer im Wang Fuk Court

Am 26. November 2025 brach im Wohnkomplex Wang Fuk Court im Bezirk Tai Po ein verheerender Brand aus, der 161 Menschen das Leben kostete – der tödlichste Vorfall dieser Art seit 1948. Betroffen waren sieben von acht Blöcken des Komplexes mit rund 2.000 Wohneinheiten. Das Feuer wütete über 40 Stunden und zerstörte weite Teile der Anlage.

Der Brand ereignete sich während laufender Sanierungsarbeiten. Entscheidend für die rasante Ausbreitung waren minderwertige, brennbare Materialien wie Netze und Schaumpaneele aus Polystyrolschaum. Bewohner hatten seit 2016 über extortionäre Kosten, brennbare Materialien und den Einfluss von Syndikaten geklagt. Warnungen vor den Netzen gab es bereits im August 2024, doch Behörden konnten das Projekt nicht rechtzeitig stoppen.

Der Komplex, erbaut 1983, fiel unter das obligatorische Sanierungsprogramm Hongkongs, das nach dem Einsturz eines Mietshauses 2010 mit vier Toten eingeführt wurde. Es verpflichtet Gebäude älter als 30 Jahre zu Inspektionen und Reparaturen – ein Nährboden für Korruption.

Tausende Bewohner wurden obdachlos und in temporäre Unterkünfte verlegt. Die öffentliche Empörung führte zu schnellen Maßnahmen der Regierung unter Chefexekutiv John Lee.

Systemische Korruption in Hongkongs Baubranche

Hongkongs Baubranche kämpft seit Langem mit systemischer Korruption, verstärkt durch das Sanierungsprogramm von 2010. Dieses fordert regelmäßige Prüfungen und Reparaturen für alte Gebäude, schafft aber Chancen für Kartelle, Ausschreibungsfälschungen und den Einsatz substandardiger Materialien zur Profitimflation.

Im Wang Fuk Court kontrollierten mutmaßliche Syndikate Eigentümerausschüsse und Auftragnehmer. Bewohner berichteten von überhöhten Kosten und gefährlichen Materialien, während Regierungsstellen Warnungen erließen, aber nicht handelten.

„Die Branche ist von Triaden und korrupten Netzwerken durchzogen, die Ausschreibungen manipulieren.“ - Hintergrundberichte zu ICAC-Ermittlungen

Die ICAC hat in der Vergangenheit ähnliche Fälle aufgedeckt, doch der Wang-Fuk-Brand markiert einen Wendepunkt. Er enthüllte, wie Korruption Sicherheitsrisiken schafft: Falsche Sicherheitszertifikate für Netze führten zur Entfernung von Gerüsten an über 200 Baustellen nach dem Unglück.

Die Branche, die Millionen HKD umsetzt, leidet unter fehlender Transparenz und schwacher Aufsicht, was zu wiederholten Skandalen führt.

Details der Razzien in Kwun Tong

Die ICAC-Razzien konzentrierten sich auf zwei Wohnanlagen in Kwun Tong. In einem Fall soll Bestechung bei der Vergabe eines 33-Millionen-HKD-Sanierungsvertrags (ca. 3,6 Mio. Euro) gefördert worden sein. Mittelsmänner und Berater sollen Provisionen kassiert haben.

Im zweiten Fall ging es um das Sammeln von Proxy-Stimmen, um Eigentümerabstimmungen zu manipulieren und zukünftige Aufträge zu sichern. Unter den 21 Festgenommenen sind Bauunternehmer, Konsulenten und Eigentümervertreter, einige mit Triaden-Hintergrund.

Während der Durchsuchungen wurden Ausschreibungsunterlagen und weitere Beweise sichergestellt. Die Operation unterstreicht die ICAC-Fokussierung auf die Baubranche nach dem Brand.

Bereits zuvor wurden 11 Verdächtige im Zusammenhang mit der Wang-Fuk-Untersuchung festgenommen. Die Kwun-Tong-Fälle sind unabhängig, profitieren jedoch von der gesteigerten Wachsamkeit.

Regierungsreaktion und Untersuchungskommission

Chefexekutiv John Lee reagierte auf den Wang-Fuk-Brand Mitte Dezember 2025 mit der Einsetzung einer unabhängigen richterlichen Enquêtekommission. Diese untersucht das Feuer sowie Ausschreibungsmanipulationen in der Baubranche.

Weitere Maßnahmen:

  • Entfernung von Gerüstnetzen an über 200 Baustellen aufgrund gefälschter Sicherheitszertifikate.
  • Stornierung des traditionellen Silvester-Feuerwerks am Victoria Harbour aus Respekt vor den Opfern.
„Die Aussparung des Feuerwerks wird Hotels und Restaurants betreffen.“ - Rosanna Law, Ministerin für Kultur, Sport und Tourismus

Tausende obdachlose Bewohner wurden umgesiedelt. Die Kommission soll systemische Defizite aufdecken und Empfehlungen für strengere Regulierungen abgeben. Die ICAC intensiviert parallel Ermittlungen gegen Korruption, inklusive Triaden-Einfluss.

Ausblick: Reformbedarf in der Baubranche

Die Festnahmen der ICAC markieren einen Höhepunkt in der Auseinandersetzung mit Korruption in Hongkongs Baubranche. Der Wang-Fuk-Brand mit 161 Toten hat langjährige Missstände ans Licht gebracht: Von Bestechung über manipulierte Ausschreibungen bis hin zu Triaden-Einfluss.

Zusammenfassung der Schlüsselfakten:

  • 21 Festnahmen am 2. Januar 2026 in Kwun Tong.
  • 161 Todesopfer im November-Feuer.
  • Sofortmaßnahmen wie Netz-Entfernungen an über 200 Sites.

Die Enquêtekommission verspricht Klarheit und Reformen. Experten fordern transparentere Vergaben, strengere Materialkontrollen und unabhängige Aufsicht. Nur so kann das Vertrauen in den Sektor wiederhergestellt werden, der für Millionen Hongkonger essenziell ist.

Langfristig könnte dies zu einer Sauberung der Branche führen und weitere Tragödien verhindern.